Kleidung selbst nähen: Mehr denn je ein angesagtes Hobby

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Früher einmal war das Nähen lästige Notwendigkeit, weil zum einen die Auswahl an Kleidung nicht groß war, außerdem waren Shirts und Hosen „Marke Eigenbau“ günstiger.

Nähen: Hobby statt notwendiges Übel

Nähen gilt heute als Trend und Jahr für Jahr verzeichnen die Verkäufer und Shops für Stoffe und Nähmaterialien steigende Zahlen. Immer mehr Menschen wollen sich Kleider und Röcke, Hosen und Leggings, T-Shirts und Pullover selbst nähen. Nähen ist zum beliebten Hobby geworden und hat sein altbackenes Image gänzlich abgelegt. Es ist längst nicht mehr so, dass diejenigen, die sich ihre Kleidung selbst nähen, darauf angewiesen sind.

Früher war Kleidung teuer und wer sich vernünftig anziehen wollte, musste selbst für Abwechslung und Qualität sorgen. Es wurde genäht, weil es einfach nicht anders ging! Heute hingegen haben die Nähfreunde und –freundinnen den Spaß an der Sache entdeckt und gehen dem Hobby nach, weil sie Freude daran haben. Und natürlich, weil am Ende ein Produkt entsteht, mit dem sich wirklich etwas anfangen lässt!

Nähen lässt sich als Hobby gemeinsam ausüben und so sind im Laufe der letzten Jahre viele Nähzirkel entstanden, in denen sich Frauen und Männer regelmäßig treffen, gemeinsam nähen und Informationen zum Hobby austauschen. (#01)

Nähen lässt sich als Hobby gemeinsam ausüben und so sind im Laufe der letzten Jahre viele Nähzirkel entstanden, in denen sich Frauen und Männer regelmäßig treffen, gemeinsam nähen und Informationen zum Hobby austauschen. (#01)

Warum Nähen zum Hobby geworden ist

Viele Menschen arbeiten in Büros und sind den lieben, langen Tag mit etwas beschäftigt, was sie im schlimmsten Fall nicht einmal gern tun. Die Arbeit ist auch nie wirklich erledigt, denn für jede abgeschlossene Tätigkeit kommt eine neue hinzu. Anders mag es bei der Bearbeitung von Projekten aussehen: Ist dabei eines abgeschlossen, ist ein kompletter Vorgang beendet und der Bearbeiter kann sich einer neuen Sache zuwenden. Beim Nähen ist es so, dass gleich viele positive Dinge vereint werden.

Die Arbeit ist individuell und es entsteht etwas, das als Unikat gilt. Ist das Shirt fertig genäht, ist das Projekt beendet. Dies wiederum wirkt positiv auf unser Belohnungszentrum, denn dieses erfreut sich an einer erfolgreich absolvierten und beendeten Aufgabe und motiviert uns für neue Dinge.

Nähen lässt sich als Hobby gemeinsam ausüben und so sind im Laufe der letzten Jahre viele Nähzirkel entstanden, in denen sich Frauen und Männer regelmäßig treffen, gemeinsam nähen und Informationen zum Hobby austauschen. Gleichzeitig dient solch ein Treffen natürlich als reale Alternative zu den sozialen Medien, denn hier treffen sich Gleichgesinnte von Angesicht zu Angesicht, tauschen sich aus und finden neue Freunde. Moderne Nähzirkel heißen auch gern „Nähcafés“: Man trifft sich in einem Café und verbindet den netten Plausch mit dem Hobby. Kein Wunder, dass Handarbeiten im Trend liegen!

Viele sprechen vom Selfmade-Luxus. (#02)

Viele sprechen vom Selfmade-Luxus. (#02)

Selfmade-Luxus durch Nähen

Viele sprechen vom Selfmade-Luxus. Dies liegt zum einen daran, dass mit dem Wunsch nach Individualität und Kleidung, die in dieser Form eben nicht im Kaufhaus an der Stange hängt, der Wunsch nach Luxus verbunden wird. Zum anderen ist Nähen beileibe kein günstiges Hobby, denn die verschiedenen Stoffe, Garne, Nähmaschinen und weiteres Zubehör kosten Geld.

Wer die Zeit aufrechnet, die für das Nähen eines Kleidungsstücks benötigt wird, und dann ausrechnet, wie teuer das Teil sein müsste, wenn angemessener Arbeitslohn und Material für die Berechnung zugrunde gelegt werden, wird feststellen, dass es sich beim Nähen um Selfmade-Luxus handelt.

Günstig sieht anders aus, auch wenn Sie natürlich auf den ersten Blick gesehen kaum Geld für das Kleidungsstück ausgegeben haben. Doch alle Investitionen (Zeit und Material) zusammengenommen ergeben ein recht teures Teil.

Sie selbst bestimmen, woher die Stoffe kommen und ob diese ökologisch verträglich sind oder mit zahlreichen chemischen Mitteln behandelt wurden. (#03)

Sie selbst bestimmen, woher die Stoffe kommen und ob diese ökologisch verträglich sind oder mit zahlreichen chemischen Mitteln behandelt wurden. (#03)

Fair hergestellte Kleidung

Immer wieder gibt es Berichte über unfaire Produktionsverfahren in der Dritten Welt. Kinder, die eigentlich in der Schule lernen sollten, sitzen an Nähmaschinen und sind nicht selten giftigen Stoffen ausgesetzt. Auch dies ist ein Punkt, der viele Nähfreunde überzeugt: Sie nähen lieber selbst, weil sie dabei für faire Arbeitsbedingungen garantieren können. Schließlich trifft es sie nur selbst, wenn Sie an einem Shirt 15 Stunden am Tag arbeiten. Wer einem Hobby nachgeht, mag in diese Situation ohnehin nur höchst selten kommen, doch auch solche Fälle gibt es durchaus.

Die in Eigenproduktion hergestellten Kleidungsstücke sind zudem noch auf andere Art und Weise die bessere Wahl. Zum einen können Sie selbst bestimmen, woher die Stoffe kommen und ob diese ökologisch verträglich sind oder mit zahlreichen chemischen Mitteln behandelt wurden. Lange Transportwege fallen weg, denn Sie lassen Ihr Material nicht aus Indien oder Bangladesh kommen.

Maßangefertigte Kleidung

Haben Sie auch Kleidungsstücke im Schrank, die Ihnen längst nicht mehr passen? Durch eigene Ideen können Sie diese völlig neu und passend gestalten. Zu große Teile werden einfach verkleinert, durch das Einbringen von Einsätzen können zu enge Shirts oder Kleider erweitert werden. Sie bekommen Maßkleidung, ohne Unsummen im Geschäft dafür zahlen zu müssen. Außerdem sieht so manches selbst gestaltete Teil aus, als würde es von einem berühmten Designer stammen!

Es kommt alles auf Ihr Geschick und auf die Wahl der passenden Stoffkombinationen, Muster und Nahtführungen an. Solche Kleidung ist zudem noch um einiges günstiger als die neu gekaufte Alternative, denn immerhin haben Sie das „Grundgerüst“ bereits im Kleiderschrank.

Sie brauchen nur eine Idee, das passende Schnittmuster sowie das nötige Material. Schon kann das Nähen losgehen! (#04)

Sie brauchen nur eine Idee, das passende Schnittmuster sowie das nötige Material. Schon kann das Nähen losgehen! (#04)

Was können Sie selbst nähen?

Wer jetzt auf der Suche nach Anregungen ist, wird vielleicht bei den folgenden Beispielen fündig:

  • Carmenbluse
  • Sommerkleid mit Spaghettiträgern
  • Chambray-Kleid
  • Bluse mit tiefem Rückenausschnitt
  • Tunikakleid
  • Oversize-Pullover
  • Blusenkleid
  • Shirt mit Fakewickel-Saum
  • neue Bündchen für Pullover
  • Rollmäppchen für Kleinzeug und Stifte
  • Kuschelpullover mit Kapuze

Möglichkeiten gibt es viele, Sie brauchen nur eine Idee, das passende Schnittmuster sowie das nötige Material. Schon kann das Nähen losgehen!

Dabei ist es empfehlenswert, mit kleinen Schritten zu beginnen. Wählen Sie anfangs nur einfache Stücke, die Sie mit wenigen Materialien und ohne großartige handwerkliche Fähigkeiten herstellen können. Kleider und Röcke sollten daher erst einmal nicht auf Ihrem Programm stehen, denn diese sind wirklich nur etwas für Fortgeschrittene. Jetzt brauchen Sie nur noch Zeit und Übung, denn nur mit dem entsprechenden Training werden Sie zum Designer. Um mit dem Nähspaß beginnen zu können, brauchen Sie eine Grundausstattung.

Investieren Sie daher in

  • Garne und Stecknadeln
  • Schneiderschere
  • Maßband
  • Pfeiltrenner
  • Reißverschlüsse, Knöpfe, Stoffbänder etc. als Zusatzmaterial
  • verschiedene Stoffe
  • Schneiderkreide

Sie können auch eine Schneiderpuppe aufstellen, dies erleichtert das Drapieren der Stoffe sowie das Anpassen des Materials auf die benötigte Kleidergröße. Die Puppe lässt sich auf verschiedene Größen einstellen und ist damit immer wieder verwendbar.

Nähen Sie nicht einfach wild drauflos, sondern setzen Sie auf eine gute Anleitung. Ein passendes Schnittmuster sagt Ihnen, wann Sie wo schneiden und nähen müssen. (#05)

Nähen Sie nicht einfach wild drauflos, sondern setzen Sie auf eine gute Anleitung. Ein passendes Schnittmuster sagt Ihnen, wann Sie wo schneiden und nähen müssen. (#05)

Tipp: Anleitungen nutzen

Nähen Sie nicht einfach wild drauflos, sondern setzen Sie auf eine gute Anleitung. Ein passendes Schnittmuster sagt Ihnen, wann Sie wo schneiden und nähen müssen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die selbst hergestellten Kleidungsstücke auch wirklich passen. Schnittmuster sind meist kostenlos im Internet oder in Nähzeitschriften zu finden. Sie können diese auch selbst herstellen, indem Sie den Schnitt des zu nähenden Kleidungsstückes auf ein Blatt Papier zeichnen.

Wählen Sie den richtigen Stoff: Baumwolle und Leinen laufen beim ersten Waschen etwas ein und sollten daher bereits vor dem Nähen das erste Mal gewaschen werden. Außerdem lohnt es sich dabei, die Menge des Stoffs etwas großzügiger zu planen.

Sollen sich die Stoffe leichter verarbeiten lassen, sollten Sie sie vorab bügeln, das sorgt auch dafür, dass Nähte gerade verlaufen.
Setzen Sie auf Polyester oder Seide, wenn Sie bereits Erfahrung haben, denn diese Stoffe lassen sich schwer zusammenfügen und sollten daher in die Hände von Fortgeschrittenen.

Übertragen Sie das Schnittmuster mithilfe der Schneiderkreide auf den Stoff und nutzen Sie dabei die sogenannten Größenlinien. Nur damit stimmt am Ende die Größe und Sie können das Teil auch tragen! Vergessen Sie die Nahtzugabe nicht, ansonsten steht vor dem Anprobieren eine Diät: Eine vergessene Nahtzugabe lässt das Kleidungsstück um zwei bis drei Zentimeter kleiner ausfallen. Tipp: Sollen die Nähte besonders fest werden, verwenden Sie eine größere Nadel.

Arbeiten Sie genau nach Anleitung, vor allem, wenn Sie selbst noch keine Erfahrung haben. Die ersten Erfolgserlebnisse werden nicht lange auf sich warten lassen und wer einmal Blut geleckt hat, wird immer wieder neue kreative Ideen entwickeln und sich an anderen Kleidungsstücken versuchen. Wichtig: Während des Nähens sollten Sie immer überprüfen, ob die Passform stimmt. Stellen Sie einen Fehler erst am Ende des Nähens fest, ist das sehr ärgerlich, denn nun können Sie nichts mehr ändern.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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