Kinderbücher: Eigene Bücher fördern die Leselust

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Leider ist es ein eindeutiger Trend geworden, dass Kinder immer weniger lesen. Das fängt schon früh an: Statt der Gutenachtgeschichte gibt es eine CD mit einem Hörspiel, später stehen eher Computerspiele als Bücher auf dem Freizeitplan. Die Eltern sind nicht zwingend gute Vorbilder. Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels: Die eigene Geschichte als Buch lässt die Leselust wieder aufleben.

Kinderbücher vorlesen: Eltern als Lese-Vorbilder

Eltern sollen immer als Vorbild agieren – so auch beim Lesen. Erwiesen ist, dass die Kinder von Eltern, die selbst gern und häufig lesen, ebenfalls besser und öfter lesen. Kinder werden neugierig auf Bücher, wenn sie die Eltern beim Lesen vorfinden, und wollen wissen, was es in den Seiten eines Buches zu entdecken gibt. Diese Neugier kann schon früh gefördert werden: Bereits ab ca. 12 Monaten fangen Kinder an, sich Bücher anzusehen. Die bunten Bilderbücher müssen nur altersgerecht gestaltet sein! Keine Wimmelbücher mit Tausenden von Details, die für ein Kleinkind kaum zu erfassen sind, sondern vielmehr Alltagsdinge sollten hier zu sehen sein. Gegenstände aus dem Umfeld des Kindes oder – besonders beliebt – Tiere des Bauernhofs. Es reicht durchaus, wenn auf einer Seite ein Gegenstand oder ein Tier zu finden ist. Mehr überfordert die Kleinen noch schnell.

Binnen kürzester Zeit legt ein Kind eine atemberaubende Entwicklung hin, was sich auch auf das Verständnis für Bücher bezieht. Schon bald wollen die Kleinen einige Sätze zu den Bildern hören, aus denen kleine Geschichten werden. Kinderbücher bieten dafür hervorragende Möglichkeiten, wobei sich Eltern mit ein wenig Fantasie auch selbst Geschichten zu den Bildern ausdenken können. Die Kleinen werden gebannt lauschen und ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren den Ehrgeiz entwickeln, sich die Welt der Texte selbst zu erschließen. In „Lesehaushalten“ sind die Kleinen oftmals bereits vor der Einschulung in der Lage, einfache Texte selbst zu erlesen, wohingegen Kinder nicht lesender Eltern meist erst später in die Buchstaben eintauchen.

Kinderbücher in Zeiten der Medienflut

Kinder sind längst nicht „vom alten Eisen“ – wenn die Kleinen von Anfang an daran gewöhnt werden, dass Bücher zum Alltag gehören. Dabei hat es das geschriebene Wort durchaus schwer, denn die Konkurrenz durch Fernseher, Smartphone und Tablet ist groß. Es ist aber auch interessant, mit all den blinkenden, piependen und reagierenden Bildchen zu spielen! Eltern sollten den Umgang mit elektronischen Dingen daher möglichst begrenzen und diese auf keinen Fall als Lückenfüller nutzen.

Der Grundstein zum bewussten Umgang mit dem Internet, sowie mit sozialen Netzwerken, wird schon im Kleinkindalter gelegt, ein Fakt, mit dem sich die vorige Generation noch nicht befassen musste. Wer von Kindesbeinen an lernt, dass Bücher wichtig sind und durchaus von der Bedeutung her mit Tablet und Co. mithalten können, geht später bewusster damit um.

Fachleute sind der Meinung, dass Kinder Bücher bräuchten, auf der anderen Seite aber auch Erwachsene, die ihnen daraus vorlesen. Denn das alleinige Anschauen der Bilder beschäftigt nur bedingt, die Kleinen brauchen jemanden, der die Welt in den Büchern erklärt. Die Kleinen können in einer solchen Geschichte wahrlich aufgehen, fühlen sich als großer Held oder schöne Prinzessin, als gute Fee oder Retter in der Not. Sie sind ganz in der Welt der Bücher gefangen und lassen sich mit Haut und Haar auf eine Geschichte ein, wenn sie denn regelmäßig vorgelesen bekommen.

Fachleute sind der Meinung, dass Kinder Bücher bräuchten, auf der anderen Seite aber auch Erwachsene, die ihnen daraus vorlesen.(#01)

Fachleute sind der Meinung, dass Kinder Bücher bräuchten, aber auch Erwachsene, die ihnen daraus vorlesen.(#01)

Kinderbücher als Geschenk drucken lassen

Auf der einen Seite gibt es die Kinderbücher, die ganz normal im Handel erhältlich sind. Sie erzählen eine Geschichte in Bildern, sind als Märchenbücher oder Kinderlexika konzipiert. Sie erklären den Kindern die Welt und den Alltag oder ziehen sie in die Geschichte hinein. Doch wie wäre es einmal mit einer ganz besonderen Geschenkidee? Bücher, in denen Kinder auch namentlich die Hauptrolle spielen, sind inzwischen keine wirkliche Neuheit mehr. Da wird Marie zur lieben Regenbogenfee oder David zum mutigen Ritter. Die Geschichten sind immer gleich, nur die Namen können ausgetauscht werden. Teilweise lassen sich Bilder von Familienmitgliedern einpflegen und so entsteht ein ganz persönliches Buch, basierend auf einer bereits längst geschriebenen Geschichte.

Dann gibt es aber auch die Möglichkeit, selbst eine Geschichte zu erfinden. Diese niederzuschreiben, eventuell mit kleinen Bildern zu versehen und die Story genau auf das Kind abzustimmen, lässt das Buch zu etwas ganz Besonderem, zu etwas Einzigartigem werden. Wer mag, kann die Bücher drucken lassen und erhält ein Exemplar, welches den Büchern in der Buchhandlung in nichts nachsteht. Derartige Geschenke kommen bei den Kleinen sehr gut an und sind in Kinderzeiten einfach nur eine tolle Idee. Später dann werden die Beschenkten dieses Buch immer wieder in die Hand nehmen, denn damit sind Erinnerungen an einen lieben Menschen verbunden, der sich die Mühe gemacht hat, ein solch individuelles Geschenk zu gestalten.

Kinderbücher fördern die Sprachentwicklung

Bereits seit einigen Jahren gibt es von der Stiftung Lesen eine Aktion, bei der erste Bilderbücher im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt an die Eltern verteilt werden. Diese sollen damit eine Anregung erhalten, sich selbst mit dem Thema Buch auseinanderzusetzen und das Büchlein als erstes Anschau- und Vorlesebuch für den Nachwuchs zu nutzen.

Denn nicht nur, dass lesende Kinder aufgeweckter und verständiger ihrer Umwelt gegenüber sind, ihre sprachliche Entwicklung wird ebenfalls gefördert. Sie sprechen früher und deutlicher, das kindliche „Dolmetschen“ ist deutlich weniger häufig zu hören. Nicht umsonst gibt es den Spruch, dass Kinder „in Sprache baden“ sollen. Damit ist gemeint, dass sie allgegenwärtig von Sprache umgeben sein sollten, was sich nicht nur auf das direkte Reden mit dem Baby oder Kind bezieht, sondern eben auch auf das Vorlesen. Für die Sprachentwicklung ist wichtig, dass in den Büchern eine „schöne“ Sprache gesprochen wird – grammatikalisch richtig, keine kindliche Verniedlichung von Wörtern.

Hinzu kommt, dass das Vorlesen eine enorme Bedeutung für das Kind hat, was sich auf einzelne Situationen und auch die Person, die regelmäßig liest, bezieht. Das abendliche Ritual, wenn es eine Geschichte zum Einschlafen gibt, wirkt als solches beruhigend und hilft auch, nach einem anstrengenden Tag wieder „herunterzukommen“. Kranken Kinder fühlen sich deutlich besser, wenn Eltern oder Großeltern sich die Zeit nehmen und ihnen vorlesen. Das Seelenleben der Kleinen wird durch diese Dreiecksgeschichte zwischen vorlesender Person, Buch und Kind beeinflusst. Hier können Kinder neue Themen kennenlernen oder Dinge aufarbeiten, die sie in ihrem täglichen Leben erfahren oder erleben.

Nicht umsonst gibt es den Spruch, dass Kinder „in Sprache baden“ sollen.(#02)

Nicht umsonst gibt es den Spruch, dass Kinder „in Sprache baden“ sollen.(#02)

Kinderbücher für die seelische und geistige Entwicklung

Schon Astrid Lindgren sagte, dass Kinderbücher unverzichtbar seien und es kein größeres Geschenk, als das Lesen gäbe. Sie bekam im Jahr 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und hielt eine Dankesrede, in der es um Gewalt gegen Kinder ging. Sie wies in ihren Büchern Wege zu einem friedlichen Miteinander und fand auch den Zugang zu den Herzen der Erwachsenen. Astrid Lindgren war der Meinung, dass der Weg in die Herzen der Kinder sowie in die Seelen über ein Buch zu finden sei.

Heute wissen wir, dass Literatur unverzichtbar ist und dass keine technische Neuerung und kein elektronisches Spielzeug dieser Welt ein gutes Buch ersetzen kann. Wichtig ist dabei auch immer die Auswahl des Lesestoffs – Kinder zeigen mit ihrer Auswahl an, was sie momentan beschäftigt. Sehr kleinen Kindern setzen eher die Eltern ein Thema vor, sollten dabei aber auf die Reaktionen der Kleinen achten. Stehen sie dem Thema ablehnend gegenüber? Oder finden sie es höchst interessant? Schon früh lassen sich hier erste Neigungen eines Kindes erkennen, wobei es noch nicht heißen muss, dass aus einem Kind, welches liebend gern das Buch über die verschiedenen Autos ansieht, ein kleiner Rennfahrer oder Kfz-Mechaniker wird.

Insgesamt werden mit Kinderbüchern also die Sprache, die Vorstellungskraft und Fantasie, die Sprachentwicklung und das Verstehen verschiedener Zusammenhänge gefördert. Wer könnte da noch überlegen, ob ein Buch ein gutes Geschenk sei? Die Frage ist doch eher, ob ein gekauftes oder ein selbst gestaltetes und gedrucktes Buch infrage kommt, was wiederum durch den jeweiligen Anlass bedingt ist. Zu Weihnachten, Geburtstagen und ähnlichen Feiertagen darf es ruhig ein aufwendiges, individuelles und personalisiertes Buch sein.


Bildnachweis: © Shutterstock Titelbild & #01: Evgeny Atamanenko, #02: Tomsickova Tatyana

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Über Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne - immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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